Sprunglinks

Zurück zu allen News

Externe Vermögensverwaltung in der Schweiz

Eine Studie der Chancen und Herausforderungen für Depotbanken im aktuellen Marktumfeld

Eine Studie zu Chancen und Herausforderungen für Depotbanken im aktuellen Marktumfeld

Methode und Trends

Aus persönlichen Interviews mit Verantwortlichen von sieben der grössten Depotbanken
in der Schweiz, gepaart mit eigenen Erfahrungen, wurde ein klares Bild der wichtigsten
Entwicklungen des EAM Marktes gezeichnet. Getrieben durch verschiedene Trends ist
bei den External Asset Managern¹ (EAM) eine fortschreitende Professionalisierung der
Anlage-, Abwicklungs- und Kontrollprozesse im Gange. Die FINMA, insbesondere mit
den Regularien FINIG und FIDLEG, gibt hier den Takt vor.

Zwei unterschiedliche Perspektiven

In persönlichen Gesprächen haben wir die sieben meistdiskutierten Trends im EAM Markt der Schweiz beleuchtet. Als Gesprächspartner haben sich ausgewiesene, langjährige Expertinnen und Experten zur Verfügung gestellt, die in führenden Positionen bei Depotbanken im Umfeld der externen Vermögensverwaltung tätig sind.

Die sieben ausgewählten Trends wurden aus zwei unterschiedlichen Perspektiven analysiert. Die „Relevanz für EAMs“ zeigt dabei, welches die wichtigsten Entwicklungen für die Vermögensverwalter selbst sind und warum. Die Perspektive „Relevanz für Depotbanken“ hingegen macht deutlich, welche der Trends für die Depotbanken wichtig sind.

Für beide Perspektiven wurde mit den Gesprächspartnern je eine Reihenfolge der Prioritäten erarbeitet. Ziel dieser dualen Perspektive ist, ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen EAM und Depotbanken zu ermöglichen. Die zwei Perspektiven bilden zudem die weitere Struktur dieses Artikels. Betrachten wir jedoch zunächst die diskutierten Fragestellungen.

FINMA Regulierung

Wie in fast allen Bereichen der Finanzindustrie sind mittlerweile auch bei den EAM die FINMA Regulierungen ein Top Trend. Seit 2020 gelten auch für EAM das Finanzinstitutsgesetz (FINIG) und das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG).

Was bedeutet dies für den einzelnen EAM und bis wann müssen sie reagieren? Welche Auswirkungen werden auf den Gesamtmarkt der EAM und die Depotbanken erwartet?

Business Process Outsourcing

Wie sehr beeinflusst das Auslagern von Geschäftsprozessen bei EAM den Markt? Insbesondere im Kontext von Kontroll- und Risikomanagement Prozessen wird dies vermehrt beobachtet. Ist das auch für die Banken relevant?

Tools und Ökosysteme

Externe Tools (z.B. Portfolio Management Systeme) werden immer besser und können einfacher mit den Depotbanken verbunden werden. Erhöht diese Entwicklung auch die Bereitschaft der EAM, diese zu verwenden? Was bedeutet dies für die Depotbanken?

Diversifiziertes Anlageuniversum

Neben dem grossen Trend zum nachhaltigen Investieren ist auch eine globale Entwicklung zu mehr alternativen Anlagemöglichkeiten im Gange. Wie beeinflusst dies die Schweizer EAM? Sind die Depotbanken bereit für diese Entwicklung?

Marktkonsolidierung

Eine Konsolidierung des EAM Marktes wurde schon lange als Trend vermutet, jedoch bisher nie wirklich manifestiert. Marktkonsolidierung bedeutet hier eine Reduktion der Anzahl aktiver EAM durch Zusammenschlüsse oder Geschäftsaufgaben. Wird es zu einer grossen Marktkonsolidierung kommen? Was ist die Meinung der Banken?

Digitale Alternativen zum EAM

Immer wieder liest und hört man, dass Robo-Advisory und Investment Apps signifikant Vermögen anziehen könnten. Stellen Angebote wie TrueWealth, Vontobel Volt und Co. wirklich eine merkliche Konkurrenz für die EAM dar? Oder ist das noch weit entfernte Zukunftsmusik?

Digitale Kundeninteraktionen

Auch aufgrund der Pandemie – aber nicht nur – finden viele Interaktionen nicht mehr physisch statt, sondern per Sprach- oder Videoanruf. Wie ist dieser globale Trend in der EAM-Branche angekommen? Wir möchten wissen, ob dieser Trend – aus Sicht der Depotbanken – die Branche grundlegend verändern wird.

Struktureller Wandel am EAM Markt

Dieser Abschnitt beleuchtet die aktuellen Trends der Branche mit Fokus auf die EAM. Der EAM Markt ist in einer Phase des strukturellen Wandels. Verstärkte regulatorische Anforderungen, neue technologische Möglichkeiten und erhöhte Nachfrage an nachhaltigeren, spezifischeren Anlagelösungen werden in Zukunft stärker technologisierte, professionellere EAM hervorbringen.

Zunehmende Regulierung als langer Schatten über der Vermögensverwaltungsbranche

Lange waren externe Vermögensverwalter nicht so stark von der zunehmenden Regulierung betroffen wie Banken, Versicherer oder Fondsmanager. Dies hat sich aber seit der Einführung des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG) und des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG) im Jahre 2020 geändert. Insbesondere die Anpassung an FINIG beschäftigt viele EAM heute stark.

Unter FINIG benötigen alle Vermögensverwalter (dazu gehören auch die EAM) seit dem 1. Januar 2020 eine Bewilligung der FINMA zur Ausübung des Geschäftes. Per Ende 2022 läuft die Übergangsfrist für vor Inkrafttreten von FINIG bestehende Vermögensverwalter aus. Das heisst, dass bis spätestens 31. Dezember 2022 ein Bewilligungsgesuch bei der FINMA eingereicht werden muss. Rund 2’400 Vermögensverwalter waren gemäss FINMA per 1. Januar 2020 gewerbsmässig tätig. Bis Juli 2022 hat die FINMA jedoch nur etwa 250 Bewilligungen an Vermögensverwalter und Trustees erteilt¹.

Die sehr tiefe Zahl an Bewilligungen im Vergleich zur Anzahl Firmen deutet darauf hin, dass die meisten EAM den Bewilligungsprozess hinauszögern. Allerdings liegt bei den mittelgrossen und grossen EAM die Quote der bereits bewilligten Firmen deutlich höher als im Gesamtmarkt, so die Aussagen der Bankenvertreter.

Um eine FINMA Bewilligung zu erhalten, müssen sich die EAMs einer Aufsichtsorganisation (AO) anschliessen. Die AO prüft, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind.

Per Anfang April waren fünf Organisationen als AO zugelassen¹. Engpässe bei der Prüfung der Anträge auf Bewilligung sind bei der Menge an noch zu erwartenden Gesuchen vorprogrammiert. Die EAMs wurden deshalb von offizieller Stelle bereits im Herbst 2021 dazu angehalten, mit dem Prozess der Bewilligung nicht mehr lange zuzuwarten.

Die zunehmende Regulierung ist von sechs der sieben befragten Banken auf Platz eins der Trends gewählt worden und liegt so im Durchschnitt deutlich auf dem ersten Platz (siehe Grafik unten). Das hat drei Gründe: Erstens sind kurzfristig viele der EAM sehr stark mit Aufgaben zur Sicherstellung der Anforderungen absorbiert und haben so weniger Zeit für strategische Weiterentwicklungen. Zweitens wird eine Konsolidierung des Marktes mit Übernahmen oder Joint-Ventures erwartet. Drittens werden sich auch mittel- bis langfristig sichtlich erhöhte administrative Aufwände für die EAM zur Bewältigung der Vorgaben ergeben.

Die ersten beiden Gründe sind befristet, während der Mehraufwand bis auf weiteres bleiben wird. Insbesondere Klein- und Kleinstanbieter in der Vermögensverwaltung kämpfen damit, alle Vorgaben der FINMA (siehe Infobox auf Seite 4) ohne Hilfe zu erfüllen. Der Aufbau und die Dokumentation von Kontrollmechanismen ist zeitaufwändig. Personelle Engpässe bei Kontrollen sind zu erwarten, vor allem bei EAM, die 1-3 Mitarbeiter haben und nicht auf die Unterstützung einer grossen Organisation zählen können.

Es gibt vielfältige FINIG Bewältigungsstrategien für EAMs

Viele grössere Marktplayer haben entsprechende Risikomanagement- und Kontrollprozesse bereits umgesetzt und dokumentiert. Für sie ist das Bewilligungsverfahren lediglich eine Formalität oder bereits abgeschlossen. Aber für den grössten Teil der verbleibenden Firmen ist das noch nicht der Fall. Um den FINMA Anforderungen dennoch zu entsprechen, wenden sie sich unterschiedlichen Strategien zu. Sechs dieser Strategien sind unten aufgeführt. In den Interviews sieht keine der befragten Personen einen klaren Trend zu einer der Lösungen.

Alleingang

FINIG Anforderungen werden im Alleingang abgedeckt. Zur Unterstützung sind auch vermehrt spezifische Tools im Einsatz wie zum Beispiel WeCanComply. Insbesondere mittelgrosse und grosse EAM werden sich so zu helfen wissen.

Outsourcing der internen Kontrollen

Eine Auslagerung der geforderten Kontroll- und Risikomanagement Prozesse ist für EAM aller Grössen eine valide Möglichkeit. Die FINMA lässt explizit zu, dass die «internen Kontrollen» auch durch externe Parteien ausgeführt werden können.

Zusammenschluss mit anderen EAMs

Viele Branchenkenner prognostizieren vermehrte Zusammenschlüsse zwischen ähnlich grossen EAMs. Solch eine neue, grössere Firma könnte dank der grösseren Anzahl an Mitarbeitern die Anforderungen effizienter umsetzen und Skaleneffekte ausnutzen.

Anschluss an eine Bank

Einige EAM wählen den Weg, sich einer bereits regulierten Organisation anzuschliessen. Beispiele am Markt sind Anschlüsse von EAM an Privatbanken oder über das Aquila-Partner Modell. Für die EAM bedeutet dies aber die Aufgabe der Unabhängigkeit.

Verzicht auf die diskretionäre Verwaltung

Der Verzicht auf die Vermögensverwaltung und damit der Fokus auf Beratungsdienstleistungen wurde von einigen Interviewten als realistischer Weg zur Bewältigung der FINIG Anforderungen gesehen. Beratungsdienstleistungen ohne diskretionäre Verfügungsrechte der EAM über Investitionsentscheide unterliegen nicht der FINIG Regulation. Den Befragten ist bisher kein Fall bekannt, bei dem dieser Weg gewählt wurde.

Aussteigen & Verkaufen

Als letzte Option, welche insbesondere für Partner im fortgeschrittenen Alter in Frage kommt, bietet sich der Verkauf oder die Aufgabe des Geschäftes an.

Effizienzsteigerung durch Outsourcing und Digitalisierung

Die administrativen Aufwände, um die regulatorischen Anforderungen von FINIG und FIDLEG zu erfüllen, werden auch mittel- und langfristig steigen. Somit steigen auch die Kosten für EAM, während dieser Zusatzaufwand nicht in Mehreinnahmen resultiert. Dies verschärft den bereits grossen Margendruck am Vermögensverwaltungsmarkt.

Diesem Margendruck begegnen EAM sehr individuell, aber grundsätzlich lässt sich dabei eindeutig eine Professionalisierung der Prozesse und ein vermehrter Tool-Einsatz beobachten. Dies bestätigen auch die Befragten und setzen das Outsourcing von Geschäftsprozessen und den Zugang zu digitalen Ökosystemen auf die Plätze zwei und drei.

Beim Outsourcing von Geschäftsprozessen wurden insbesondere die Bereiche des Risikomanagements und der internen Kontrollen von vielen Befragten genannt. Spezialisierte Anbieter unterstützen EAM in der Transformation oder führen Kontrollprozesse (z.B. im Anti-Money-Laundering) im Namen der EAM durch. Solche Dienstleistungen sind vergleichsweise kosteneffizient verfügbar, weil viele der Aufgaben standardisiert sind und die Outsourcing Anbieter diese durch Skaleneffekte günstiger ausführen können. Das Outsourcing ermöglicht den EAM, sich weiterhin auf ihre Stärken in der Vermögensverwaltung und Kundenbindung zu fokussieren.

Die Nummer drei der Trends, die Nutzung von digitalen Tools und Ökosystemen, ist sehr eng mit dem Outsourcing verbunden. Mit der technologischen Entwicklung gibt es immer mehr Software Provider, die hochwirksame Portfolio- (PMS) und Kundendaten- (CRM) Management Systeme zur Verfügung stellen. Auch die Anbindung dieser Systeme an die Depotbanken wird durch automatisierte Schnittstellen, sogenannte APIs (siehe Info-Box unten), immer einfacher.

Während ein Outsourcing oft auch für sehr kleine EAM spannend ist, bedarf es bei der Nutzung der Ökosysteme einer gewissen technologischen und prozessualen Maturität oder zumindest den Willen, diese zu erreichen und dafür notwendige Investitionen zu tätigen.

Bei vielen EAM werden immer noch sehr einfache, oft selbst gebaute, Portfoliomanagement-Lösungen verwendet, die zum Beispiel basierend auf Excel einfache Berechnungen ermöglichen.

Die regelmässige Prüfung von vereinbarten Anlagerichtlinien und die Risikoüberwachung kann damit jedoch nur bedingt sichergestellt werden. Die Ablösung solcher selbstgemachter Tools durch professionelle PMS von externen Providern, steht bei vielen EAM auf der Agenda. Auch im Handling der Kundeninteraktion, im Risikomanagement und bei internen Kontrollen kommen immer öfter externe Lösungen zum Einsatz.

Während bisher noch vorwiegend grosse EAM solche Systeme nutzen, werden in Zukunft auch immer mehr kleinere Mitbewerber diesen Weg wählen. Dies, weil die Systeme einfacher zu bedienen und zu integrieren sind.

Die Umstellung von Excel-Spreadsheets auf ein professionelles Tool bedarf jedoch immer eines initialen Aufwands. Bei einem PMS System werden Trainings der Portfolio- Manager, das Überführen des Kundenstamms und strategischer Investmentvorgaben in das neue System notwendig. Auch die Integration eines PMS benötigt also immer eine Anpassungszeit und damit verbundene Investitionen. Gleiches gilt auch für die Einführung eines Kunden- Management Systems (CRM) oder anderer Tools.

Neben dem Initialaufwand sind diese Systeme auch mit laufenden Kosten verbunden. Das Pricing ist bei den meisten Softwareanbietern an die Höhe der verwalteten Assets gebunden. Das hält trotz des Trends auch weiterhin viele EAM davon ab, diese Tools einzusetzen. Es wird also auch in Zukunft noch EAM geben, die ohne externe PMS und CRM Tools arbeiten.

Diversifizierteres Anlageuniversum

Die fortschreitende Diversifizierung des Anlageuniversums liegt, mit Perspektive auf die EAM, an vierter Stelle in unserer Umfrage. Immer mehr Kunden haben spezifische Anlagewünsche, und das klassische 60/40 Anleihen/Aktien Portfolio wird abgelöst durch individuelle Portfoliostrategien. Der Trend zu mehr alternativen Anlagen – insbesondere Private Equity – wurde von der Mehrzahl der befragten Banken als relevant betrachtet. Das bestätigt auch der Blick in den BCG Global Asset Management 2021² Report. Dieser zeigt Private Equity als einen der grössten Wachstumsmärkte im Asset Management für die nächsten Jahre.

Das wird auch an der Schweizer EAM Branche nicht spurlos vorbeigehen. Bereits heute gibt es einige EAM, die sich auf die Vermittlung von Private Equity Investments in bestimmten Themenbereichen spezialisiert haben, zum Beispiel im Silicon Valley oder im Zuger Crypto-Valley.

Digitale Assets wie Kryptowährungen, Tokenization oder non-fungible Token (NFT) wurden in den Gesprächen hingegen durchwegs als nicht oder noch nicht relevant klassifiziert. So lässt sich auch begründen, warum der Trend insgesamt eher im Mittelfeld unterkommt.

Die lang vorhergesagte Konsolidierung wird beschleunigt

Bereits seit vielen Jahren sagen Studien dem Schweizer EAM Markt eine Konsolidierung voraus. Laut den Depotbanken ist dieser Trend aber noch nicht eingetreten. Ein oft genannter Grund dafür ist, dass es keine Verkäufer gibt. So werden Depotbanken immer wieder von EAM nach Opportunitäten zum Aufkauf anderer EAM angefragt. Potenzielle Käufer gäbe es also zur Genüge, verkaufen will jedoch kaum ein EAM.

Jedoch werden EAM durch die oben geschilderten Auswirkungen des regulatorischen Druckes bis Anfang 2023 immer mehr zusammenarbeiten müssen. Diese Einschätzung teilen alle Befragten. Somit ist zu erwarten, dass der seit langem erwartete Trend der Konsolidierung im EAM Markt eine Beschleunigung erfährt.

Kundenbindung ist und bleibt Kernkompetenz der EAM

Digitale Offerings wie Robo-Advisory werden von den Befragten eindeutig (noch) nicht als Konkurrenz zu den EAM angesehen. So landet der Trend auf dem zweitletzten Platz. Jedoch stellten die Branchenexperten fest, dass nachkommende, jüngere Generationen der verwalteten Kunden auf derartige Themen ansprechen. Es ist also denkbar, dass sich der Druck durch alternative, günstigere Angebote an Vermögensverwaltungs-Dienstleistungen in den nächsten Jahren verstärkt. Stand heute wird diesem aber keine Relevanz beigemessen.

Der insgesamt am geringsten gewichtete Trend ist die digitale Kundeninteraktion. Das hat zwei Gründe: Erstens hat sich die virtuelle Zusammenarbeit mit Videokonferenzen heute bereits etabliert und wird daher nicht mehr als Trend gesehen. Zweitens ist für die Befragten die persönliche Interaktion zwischen EAM und ihren Kunden auch in Zukunft sehr wichtig. Eine persönliche, oft freundschaftliche Kundenbeziehung ist eine der wichtigsten Value Propositions der EAM im Vergleich zu den Privatbanken.

Chancen und Herausforderungen für die Depotbanken

Im zweiten Teil der Gespräche wurden die gleichen Trends aus der Perspektive „Relevanz für Depotbanken“ beleuchtet. Es gibt einige Unterschiede zu der oben beschriebenen Sicht mit „Relevanz für EAM“. So steht der Trend zu einfacherem Zugang zu digitalen Ökosystemen deutlich auf Platz eins, während das Outsourcing von EAM Geschäftsprozessen wenig Relevanz für die Depotbanken hat.

Effizienzsteigerung für Banken durch Nutzung von Tools und Ökosystemen bei EAM

In der Reihenfolge der Trends mit Relevanz für die Banken setzt sich der Zugang zu Ökosystemen als wichtigster Trend auf Platz eins (siehe Grafik). Die Digitalisierung treibt also die Banken im EAM Sektor mehr um als die Regulierung.

Zwei Hauptgründe sind für die Wichtigkeit der Tools und Ökosysteme verantwortlich: Erstens, wenn EAM Tools einsetzen, wird auch die Bewirtschaftung aufseiten der Bank effizienter. Durch den Einsatz automatisierter und standardisierter Schnittstellen reduzieren sich Aufwände in der Zusammenarbeit und Weiterverarbeitung von Börsenaufträgen und Transaktions-/Positionsdaten. Zweitens wird die Integration von Neukunden für Depotbanken einfacher.

Denn die Branche setzt zunehmend auf standardisierte, moderne API statt auf alte, datei-basierte proprietäre Schnittstellen.

Bei der Übermittlung von Börsenaufträgen beispielsweise wird immer noch oft der persönliche Kontakt vom EAM Mitarbeiter zum Kundenberater gesucht. Die Beauftragung per E-Mail mit Excel-File oder sogar per Telefon mag für den EAM-Auftraggeber zwar bequem sein, für die Bank erzeugen solche Aufträge sehr hohe manuelle Aufwände. Sobald die EAM professionelle PMS nutzen, können Aufträge elektronisch direkt ins Handelssystem der Bank eingespielt werden. So werden Aufträge schneller abgewickelt, die Fehleranfälligkeit ist kleiner aufgrund weniger manueller Interventionen, die Kommunikation ist gesichert.

Wie bereits erläutert nutzen nicht nur grosse und mittelgrosse EAM moderne Technologie zur Abwicklung interner Abläufe, sondern auch immer mehr kleinere. Eine individuelle Anbindung kleinerer EAM über proprietäre Schnittstellen lohnt sich für Depotbanken und Softwareprovider aber oft nicht. Standardisierte API hingegen sind deutlich effizienter und schneller zu integrieren. Die Freigabe der eigenen Daten über die Schnittstelle kann heute zum Teil bereits vom Nutzer über e-Banking, fast in Echtzeit, gesteuert werden.

Laut vielen Befragten ist eine Standardisierung der heute heterogenen Schnittstellenlandschaft sehr wünschenswert. So setzen einige Teilnehmer Hoffnung in den OpenWealth API Standard. Dieser wird von einem Verein definiert, welchem unter anderem SIX, viele WealthTechs, aber auch immer mehr Depotbanken angehören. Stand April 2022 sind sechs der sieben von uns befragten Depotbanken Mitglied der OpenWealth Community. Die Zukunft dieses Standardisierungsvorhabens wird davon abhängen, ob die grossen Banken entsprechende API tatsächlich bald aktiv anbieten.

Neben den klassischen Themen wie Vermögensdaten und Börsenaufträgen ist zunehmend auch der Austausch von Kundeninformationen und -dokumenten ein wichtiges Thema für API. Durch die Ermöglichung des elektronischen Austausches von Kundendaten und Kundendokumenten werden die oft aufwändigen KYC Prozesse effizienter für EAM, Depotbanken und nicht zuletzt auch für die Endkunden.

Vor allem Vorteile für die Banken durch Regulierung der EAM

An zweiter Stelle im Ranking mit Relevanz der Depotbanken liegen die zunehmenden regulatorischen Anforderungen für EAM. Die Befragten sehen hier Chancen in zwei Bereichen:

Einerseits kann die Kundenbindung gestärkt werden, wenn eine Bank durch persönliche Beratung und Hilfestellung dem EAM beim Aufbau der Compliance Prozesse zur Seite steht. Die Banken haben hier viel mehr Erfahrung. Andererseits hoffen einige Banken darauf, durch Networking und Unterstützung bei Zusammenschlüssen kleinerer EAM das Vertrauensverhältnis ausbauen und dadurch Kundengelder gewinnen zu können. Einige der Befragten erwarten auch erleichterte bankinterne Compliance Vorgaben in Bezug auf EAM Kunden, da die EAM nun auch weitergehende Pflichten übernehmen müssen und FINMA überwacht sind.

Depotbanken müssen aber auch frühzeitig klären und kommunizieren, wie sie mit EAM umgehen, die FINMA Fristen untätig verstreichen lassen. Gegebenenfalls ist die einseitige Aufgabe der Geschäftsbeziehung notwendig.

Diversifizierung des Anlageuniversums als Chance für grössere Depotbanken

Für die Befragten ist klar, dass die globale Entwicklung des Asset Management auch direkte Auswirkungen für die Depotbanken im Schweizer EAM Markt hat. Der Trend wird auf den dritten Rang eingestuft. Vor allem die allgegenwärtigen nachhaltigen Anlagen und Private Market Investments wurden oft von den Befragten erwähnt.

Depotbanken müssen das Handling von Private Equity Investments für EAM Kunden ermöglichen. Interne Kompetenzen in dem Bereich aufzubauen kann sich für die Depotbanken lohnen.

EAM-Konsolidierung als Wachstumschance

Im Mittelfeld der Trends, aus Sicht der Depotbanken, liegt die Marktkonsolidierung. Zwar ist unbestritten, dass eine Konsolidierung bevorsteht, aber die Auswirkung auf die Banken wurde unterschiedlich eingeschätzt. Einige der Befragten sehen in der turbulenten Zeit Möglichkeiten neue EAM als Kunden zu akquirieren.

So gab es in diesem Jahr beispielsweise bereits einige Übernahmen von EAM durch Privatbanken. Solch eine Transaktion kann für beide Seiten Vorteile bringen. Die FINMA Anforderungen werden durch die bereits viel stärker regulierten und registrierten Banken übernommen, die Bank gewinnt «Assets under Management» und der EAM kann sich weiter auf seine Kompetenzen konzentrieren. Die Bank übernimmt jedoch im Gegenzug auch Verantwortung und Risiken der übernommenen Kunden. Eine eingehende Prüfung der Kundengelder vor der Übernahme ist daher unerlässlich.

Auch eine Fusion von zwei oder mehr EAM bringt Wachstumschancen für die Depotbanken. Der neue, grössere Player ist ein interessanter Neukunde, vor allem wenn die Bank bereits erfolgreich mit einem der sich zusammenschliessenden EAM zusammengearbeitet hat.

Einige Trends beeinflussen die Depotbanken kaum

Das Outsourcing von Geschäftsprozessen der EAM lag im ersten Teil noch auf dem 11 zweiten Platz und hat offensichtlich hohe Wichtigkeit für die EAM

Für die Zusammenarbeit der Banken mit den EAM ist die Entwicklung aber nicht gleich wichtig. Dies, weil Outsourcing von EAM hauptsächlich für Kontroll- und Risikoprozesse eingesetzt wird.

Bei diesen EAM Prozessen sind die Depotbanken wenig involviert. Die vermehrte digitale Kundeninteraktion und digitalen Alternativen zu EAM (Robo- Advisory) sind nicht wichtig für Depotbanken. So liegen diese beiden Themen auf den letzten beiden Plätzen. Die Gründe sind mehr oder weniger die gleichen wie aus Sicht der EAM.

Die wichtigsten Angebote an EAM spezifischen Tools und Schnittstellen

Neben den Trends haben wir mit unseren Gesprächspartner auch über die Angebote der Depotbanken im Bereich Tools und Schnittstellen gesprochen. Die Frage war, welche der unten aufgeführten Services einer Depotbank für EAM Kunden am wichtigsten sind. Die ausgewählten Angebote, sowie die Resultate sind in der Grafik auf Seite 12 ersichtlich.

Die Tools für Vermögensansicht und Ordereingabe wurden, wenig überraschend, am wichtigsten eingestuft. Beide werden unisono quasi als Basisdienstleistung angesehen.

Danach folgen bereits die Schnittstellen/ APIs für diese beiden Themen. Dabei setzt sich die Orderaufgabe vor den Austausch von Vermögenswerten. Für die Banken ist eine Orderschnittstelle also noch wichtiger als eine Schnittstelle für Vermögensdaten.

Das Performance Reporting hält sich im Mittelfeld, wobei man unterscheiden muss: Ein einfaches Performance Reporting ist Standard und muss angeboten werden.

Ausgeklügelte, individuelle Reports werden aber nur von sehr wenigen Banken offeriert und bleiben daher eher ein Nischenangebot.

Die befragten Banken, die bereits digitale Kunden- und Produkt-Onboarding Tools anbieten, würden es begrüssen, wenn EAM diese in Zukunft mehr nutzen würden. Die Akzeptanz für solche Angebote ist bisher aber noch nicht so hoch wie von den Depotbanken erwartet.

Das Anbieten eines PMS Systems für EAM wurde von keinem der Befragten als notwendig angesehen. Auf der einen Seite möchten EAM oft nicht, dass die Depotbanken Kundenbestände bei anderen Banken sehen. Auf der anderen Seite sehen die Banken auch keinen strategischen Nutzen darin als Tool-Anbieter für eine PMS Lösung zu agieren.

Die wichtigsten Angebote an EAM spezifischen Tools und Schnittstellen

Mit Spannung werden alle Marktteilnehmer in den nächsten Monaten verfolgen, wie EAM, die noch keine Bewilligung haben, die FINIG Regulierung bewältigen können. Klar ist für die Vertreter der Depotbanken jedoch, dass sich der EAM Markt noch über die FINIG Umsetzung hinaus technologisch weiterentwickeln wird.

Interessant wird zu sehen sein, wie schnell diese Entwicklung abläuft und wie tiefgreifend die strukturellen Veränderungen sind. So bleibt der EAM Markt einer der spannendsten Bereiche des Schweizer Finanzplatzes.

Für diesen Beitrag sind keine Informationen verfügbar.


Das Team

Die Menschen hinter der Arbeit.

Fabian Rutishauser

Manager

Profil ansehen

Michael Tscherter

Managing Partner

Profil ansehen

Diese Website ist auf wpml.org als Entwicklungswebsite registriert. Wechseln Sie zu einem Produktions-Website-Schlüssel, um remove this banner.